Ihr Freunde des Rallyesports, liebe Leser und Fans des ANTRIEB-Magazins,
ereignisreiche Zeiten – was für ein Jahr! Die letzte Ausgabe des ANTRIEB Magazins in 2025 ist ausgeliefert, also Zeit für einen persönlichen Rückblick auf das Jahr und ein dickes „Dankeschön“ an alles Leser des ANTRIEB und all diejenigen, die mit ihrer Anzeige den ANTRIEB in dieser Form erst ermöglichen.

Für mich begann das Jahr direkt mit zwei Rallyes zur Weltmeisterschaft: Die altehrwürdige Rallye Monte-Carlo und die Schweden-Rallye. In Gap, dem Dreh- und Angelpunkt der „Monte“, spürt man die Aufbruchstimmung der Teams in die neue Saison. Die Strecken führen durch grandiose Landschaften, aber genau das ist jedes Jahr eine echte Herausforderung – auch für mich als bei der FIA akkreditierter Fotograf. Die Zugangsstraßen werden großflächig abgesperrt. Da wo man bis vor ein paar Jahren noch mit den Flicks diskutieren konnte, trifft man heutzutage auf überdimensionale „Legosteine“ aus massivem Beton. Und das, nachdem du kilometerlang enge Bergstraßen gefahren bist, an denen bereits Stunden vor dem ersten Teilnehmer die Zuschauer mehr im Graben parken als am Straßenrand. So ab 500 Meter vor dem Abzweig zu der Straße, die ich mir als Anfahrtsweg ausgeguckt habe, parken sie dann auch in die entgegengesetzte Richtung. Und dann kommt plötzlich Gegenverkehr – TOLL … denn dann geht nichts mehr. Wie auch immer arrangiere ich mich mit der Situation und schleppe dann zu Fuß meine ca. 14 Kilogramm schwere Fotoausrüstung noch dreieinhalb Kilometer bergauf zum Mediapoint. Was tut man nicht alles für seine Leidenschaft, den Rallyesport und für einzigartige Fotos im ANTRIEB Magazin.


Ganz anders in Schweden, hier gibts zwar hohe Schneewände an den Straßen, aber hoch oben im Norden Europas ist alles bestens organisiert. Auch für die Medienvertreter. Es sind eigene Parkplätze eingerichtet und die Anfahrtswege für Zuschauer und Fotografen sind perfekt organisiert und ausgeschildert. Und da die Pisten stets verschneit oder sogar vereist sind, ist die Rallye Schweden ein Garant für sensationelle Action-Aufnahmen, die ihresgleichen suchen.

Dazu kam in diesem Jahr, dass Claire Schönborn das “Beyond Rally Women’s Driver Development Programme” des Rallye-WM-Promoters gewonnen hat und damit die Junior-WRC-Saisonläufe im M-Sport-Team bestreiten durfte. Ich war hautnah dabei und habe diese Momente direkt mit meiner Kamera eingefangen und für den ANTRIEB dokumentieren können.

Der Mitropa Rally Cup startete auch in diesem Jahr traditionell mit der Rebenland-Rallye in Österreich. Die Besonderheit dieser Rallye liegt darin, dass sie mehr Wertungsprüfungs-Kilometer aufweist als Verbindungsetappen – 163:142. Im kleinen Weinort Leutschach in der Steiermark fungiert Bürgermeister Erich Plasch zugleich als Organisationsleiter und das Programmheft ist eine „Amtliche Mitteilung“. Eine perfekte Kombination für den Rallyesport. Allerdings stellte mich der Dauerregen in diesem Jahr auf eine besondere (Gedulds-)Probe. Bei der Anreise am Mittwoch bis zur Abreise am Sonntagmorgen hat es nur einmal geregnet – allerdings ununterbrochen 100 Stunden lang.
Als Medienbeauftragter des Mitropa Rally Cup begleite ich die Serie, die in diesem Jahr ihre sechzigste Saison feierte, das ganze Jahr hinweg. Neben Pressemitteilungen gibts am Jahresende einen großen Saisonrückblick mit komplettem Ergebnisteil, in dem alle Veranstaltungen und Teilnehmer dokumentiert werden. Ein beliebtes Heft für alle Teilnehmer, das bei der Jahressieger-ehrung jeder Teilnehmer erhält.

Mein Freund Hans-Åke Söderqvist veranstaltete im März sein legendäres „Ice Experience“, was mit historischen Cooper S Modellen auf einem zugefrorenen See in der Nähe von Torsby in Schweden stattfindet. Auch in diesem Jahr zog dieses Event Teilnehmer aus Großbritannien, Deutschland und Schweden an. Und kein geringer als der Ex-Rallyeweltmeister von 1984 und Jugendfreund von Hans-Åke, Stig Blomqvist, fungiert als Instruktor für das gekonnte Fahren auf Eis – natürlich mit Linksbremsen. Außerdem gab es noch einen echten Leckerbissen: Das Privatmuseum der Walfridson-Rallyedynastie öffnete seine Tore für eine Besichtigung eines kleinen Teils ihrer Fahrzeugsammlung. Auch Autos von Petter Solberg, der bekannterweise in diesen Familienclan eingeheiratet ist, waren dort bestaunen. Ein Highlight für alle Rallye-Enthusiasten, solch eine Pokalsammlung hatte ich bis dahin in meinem Leben noch nicht gesehen. Leser des ANTRIEBs erhielten hier exklusive Einblicke.
Ach ja … und eine Zusammenfassung von mir in einem kleinen Filmclip gibt’s bei Youtube:
https://www.youtube.com/watch?v=qAMnAVbQUnI

Auch die Deutsche Rallyemeisterschaft bot interessante Fotomotive. Mein erster Einsatz war bei der Rallye Sulingen, die mit dem IVG-Gelände wieder einmal mehr eine tolle Kulisse für einmalige Motive bot. Rallyeautos in der „Bobbahn“ im Gelände der ehemaligen Munitionsfabrik bieten zig Möglichkeiten einzigartiger Fotos. Und für angehobene Räder in der Innenkurve ist der Rundkurs im Industriegebiet ein Garant.

Eine ebensolche Kulisse bietet die Rallye ADAC Mittelrhein durch die Weinberge an der Mosel. Unvergessen die Bilder aus den Zeiten, als hier noch die Rallyeweltmeisterschaft zu Gast war.

Etwas mehr Kreativität müssen Fotografen bei der Rallye Stemweder Berg an den Tag legen. Aber selbst dort und trotz des „Norddeutschen Charakters“ sind auch hier stimmungsvolle Motive einzufangen. Hier durfte ich auch bereits zum dritten Mal als Ansprechpartner für die Medienvertreter helfen. Durch die Elektro-Renner im Rahmen des ADAC Opel Electric Rally Cup trifft man hier auch stets auf andere Journalisten, als die üblichen aus der Rallyeblase. Für mich als offizieller Pressebetreuer etwas ungewohnt, den Rallyeneulingen zu erklären, warum die Autos eine Straßenzulassung haben müssen und was eine Sonderprüfung ist.

Seit dem Wiederaufleben der Rallye Ostwestfalen unterstütze ich hier mit meiner Expertise als altgedienter Rallyebeifahrer in der Funktion als Teilnehmerverbindungsperson – auch kurz als „Verbinder“ bekannt. Hier gab es also keine Fotos von mir, aber ich stand den Teilnehmern und der Fahrtleitung auch in diesem Jahr als Ansprechpartner für alle Themen von A wie Anmeldung bis Z wie Zielankunft zur Verfügung.

Der RECCE-Podcast, in dem ich zusammen mit Martin Kummerow regelmäßig über Aktuelles oder Zeitloses mit und ohne Gäste berichte, findet mehr und mehr Anhänger. Zahlreiche Zuschriften oder Anrufe motivieren uns immer wieder, dieses Format nicht nur fortzusetzen, sondern auch kontinuierlich weiterzuentwickeln. Es macht viel Spaß, sich mit den Gästen auszutauschen und den Rallyesport aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten. Die Zahl der Hörer und die Reputation des Formats nimmt stetig zu und ist in Rallyekreisen ein Thema in aller Munde geworden.
https://magazin.antrieb.media/podcast/
Ach ja … und dann waren da noch 3 Events: Hans-Åke veranstaltet nicht nur das Icedrive Event in Schweden, er ist auch Besitzer des Mini Cooper S, mit dem Altmeister Rauno Aaltonen 2020 die historische Rallye Monte-Carlo bestritt. Es handelt sich um einen Nachbau des Fahrzeugs, mit dem Rauno 1967 die Monte gewinnen konnte. Und damit bin ich mit gemeinsam mit ihm beim Wartburg Rallye Festival an den Start gegangen. Meine persönliche Rallye-Ausrüstung war allerdings inzwischen so veraltet, dass ich Helm, Anzug, Unterwäsche und Schuhe komplett neu beschaffen musste. Auch hier waren die Leser des ANTRIEB nicht nur dabei, sondern mittendrin.

Aber, wer hätte es zu dem Zeitpunkt gedacht, ich konnte meinen neuen Fahreranzug gleich 2 Monate später direkt nochmal einsetzen. Bei meinem persönlichen Rallye-Highlight und zweifellos ein Höhepunkt meiner Beifahrertätigkeit. Ich durfte das Eifel Rallye-Festival an der Seite von Stig Blomqvist im legendären Gruppe-B Ford RS200 bestreiten. Es war für mich eine extrem erlebnisreiche Woche, zumal die „schwedische Rallyemafia“ auf ihrem Weg von Schweden nach Daun eine Übernachtungspause in Schloß Holte, meinem Wohnort, eingelegt hat. Für kaltes Bier und einen heißen Grill mit saftigem Fleisch hatte ich natürlich gesorgt, so dass für einen illustren Abend auf meiner Terrasse im Kreise der Helden meiner Jugend gesorgt war. Dass mir so etwas widerfahren würde, hätte ich in meinen kühnsten Träumen nicht geglaubt.

Und als dann auf dem RS200 neben Stigs Namensaufkleber auch noch die Deutschlandflagge und mein Name zu lesen war, bekam ich tatsächlich ein wenig „Pippi“ in meine Augen. MEGA! Danke dem britischen Einsatzteam und auch Stig für dieses unvergessliche Erlebnis. Das Ergebnis: Ein exklusiver Einblick für die ANTRIEB-Leser und Stoff für die kostenlose Sonderausgabe des ANTRIEBs beim Eifel Rallye Festival im nächsten Jahr.
Und weil aller guten Dinge bekanntlich drei sind, ging es dann im Oktober im Rahmen der Central European Rally mit Demonstrationsfahrten der Slowly Sideways weiter. Schon wieder ging es als Copilot im Ford RS200 an den Start. Mit John Wheeler, dem Konstrukteur dieses Autos, führte die Fahrt über insgesamt 9 Wertungsprüfungen dieses Laufs zur Rallye-Weltmeisterschaft über die Originalstrecken, vorbei an zahlreichen Zuschauern, die begeistert dem Sound der 80er Rallyejahre lauschten. Und da John natürlich bei Ford bis heute kein Unbekannter ist und er einst Malcolm Wilson als Testfahrer bei Ford einstellte, gab es im Servicepark ein illustres Wiedersehen. Was zu einzigartigen Fotos vom 40 Jahre alten RS200 zusammen mit dem modernen Puma Rally1 führte. Die Fotos von diesem Ereignis sind sogar bei M-Sport im Fotoarchiv der WRC abrufbar. Und natürlich auch im ANTRIEB Magazin nachzuschlagen.

Ich freue mich bereits jetzt auf weitere fotografische, filmische und textliche Herausforderungen im nächsten Jahr. 2025 hat bewiesen, dass unverhofft oft kommt. So wie das bekannte Sprichwort es beschreibt. Ab Mitte 2026 werde ich darüber hinaus in der Lage sein, zusätzlich zu den unzähligen Stunden, die der ANTRIEB und meine übrigen Aktivitäten auch jetzt schon in Anspruch nehmen, weitere Kapazitäten zu investieren. Für tolle Fotos und ungewöhnliche Berichte im ANTRIEB und mit neuen Social Media Formaten wird gesorgt sein.
Ich wünsche besinnliche Feiertage und jetzt schon ein großartiges Jahr 2026, dass alle persönlichen Wünsche in Erfüllung gehen und vor allem beste Gesundheit.
Ihr/Euer
Lothar Bökamp


