Doppelspiel – mit Stig Blomqvist in der Eifel

Stig Blomqvist, der Rallye-Weltmeister von 1984, bekam in diesem Jahr gleich zwei Startnummern beim Rallyespektakel in der Eifel zugeteilt. Das hatte zunächst einmal nichts mit seinem bevorstehenden 80. Geburtstag zu tun. Zu seinen Ehren organisierte der Veranstalter quasi eine Parade mit all den Fahrtzeugtypen, mit denen Stig in seiner langen Karriere im Rallyesport unterwegs war. Und er sollte den Tross im Ford RS200 Gruppe S Prototyp anführen. Jenes Auto, dass der geistige Vater und Konstrukteur des RS200, John Wheeler, seinerzeit als Nachfolgemodell der Gruppe B entwickelt hatte und das heute in seinem Besitz ist.

Durch Umstände ergab es sich, dass sich John dieses Auto mit Stig Blomqvist teilen würde. So tauchte in der Nennliste die Startnummer 11 zweimal auf: Das Team Stig Blomqvist/Lothar Bökamp und John Wheeler/Hans-Åke Söderquist. Was hier und da bereits für Verwirrung sorgte. Die um die 40.000 Besucher des diesjährigen Festival konnten jedoch an den Namensaufklebern stets erkennen, wer gerade hinter dem Volant saß.

Mit diesem Verwirrspiel war es jedoch noch nicht genug. Audi Tradition brachte den Gruppe S Prototypen und einen Quattro A2 aus dem Ingolstädter Museum nach Daun. Nach dem Ausfall von Harald Demuth eigentlich nur als stehende Ausstellungsstücke geplant. Doch dann führte ein zufälliges Zusammentreffen von Audi Tradion und Stig Blomqvist beim Goodwood Festival of Speed zu der Idee, das der Ex-Weltmeister in “seinem” Quattro, mit dem er im Weltmeisterschaftsjahr 1984 zweiter bei der Rallye Monte-Carlo wurde und die darauffolgende Schweden-Rallye gewann, einige Demontrationsrunden zu drehen. Also gab es das Team Stig Blomqvist/Lothar Bökamp jetzt auch noch mit der Startnummer 3.

Ich selbst erfuhr von dieser Aktion erst in der Veranstaltungswoche bei einem Telefonat mit John Wheeler. Wir hatten noch organisatorische Fragen zu klären und im Nebensatz fragte John mich: “Weißt Du eigentlich, dass du mit Stig auch im Audi fährst”? Nö, wusste ich nicht, aber ein schneller Blick in die aktualisierte Starterliste zeigte, dass es sich keinesfalls um einen Scherz handelte.

Und für mich sollte dies ein persönliches Highlight werden. War es doch exakt dieses Auto, das ich bei meinem Monte-Besuch 1984 mit Stig hinter dem Steuer bei der Rallye Monte-Carlo fotografierte. Als junger Kerl war eine Mitfahrt in diesem Auto und diesem Fahrer natürlich eine Traumvorstellung mit dem festen Glauben, dieses würde selbstverständlich nie passieren.

Und plötzlich stehe ich dann am Samstagmorgen, den 25. Juli 2026, also mehr als 42 Jahre nach dem ersten Zusammentreffen, voller Ehrfurcht im Zelt von Audi Tradition vor dem Auto mit der Zulassung IN-NR 64. Aber zum Staunen bleibt nicht viel Zeit. Routinier Stig hat bereits seinen Helm ins Fahrzeug gelegt. Ich nehme derweil meine Unterlagen aus der Beifahrertasche und platzierte sie in der rechten Seitentür in die penibel gearbeiteten und dafür vorgesehen Fächer. Roadbook: Check! Pacenotes: Auch dabei. Der Halda-Streckencomputer ist nicht mehr in Betrieb, also muss die Tripmaster-App auf meinem iPhone für die korrekte Meteranzeige herhalten. Jetzt noch die Einstellung der Gurte checken und den Adapter für die Stilo-Intercom einstöpseln.

Und schon startet Stig den Boliden um ihn warmlaufen zu lassen. Nach ein paar Minuten rollen wir aus dem Zelt und fahren die Rallyemeile entlang zum Kino von Daun, an der sich traditionell die Start-ZK befindet. Und auf gehts zur Reise zu den ersten beiden Showprüfungen.

Nach dem Start dort erscheint mir der Schub des “Oldies” gegenüber dem Ford RS200 doch verhalten. Okay, es liegen ja auch 4 Jahre “Gruppe-B-Entwicklungsarbeit” zwischen den Autos. Timo Witt von Audi Tradition wird nachher aufklären, dass der Ladedrucks des Turbos auch nicht mehr den Originalwerten entspricht, man wolle keine Schäden an der in die Jahre gekommenen Technik produzieren. Das erscheint mir plausibel.

Interessanterweise habe ich im Auto das typische Geräusch des 5-Zylinder-Motors gar nicht so wahrgenommen. Jener trompetenartiger Sound, der Rallyefans in der ganzen Welt entzückte. Ich ließ mir jedoch berichten, dass von außen der Quattro nach wie vor mit dieser Klangkulisse unterwegs war. Ganz so spektakulär wie in den 80ern gings mit dem mit Straßenreifen besohlten Allradler eh’ nicht um die Ecken, mit fehlendem Grip hatte sich der Altmeister vorgenommen, den Mechanikern keine Karosseriearbeiten zu bescheren.

Dann fuhren sie in einem Ford fort …

Wie bereits im letzten Jahr standen die beiden RS200 des RS CC Distomo Teams am gewohnten Platz in der Ecke des Serviceplatzes in Daun. Die Gruppe-S-Variante von John Wheeler und das Gruppe-B-Fahrzeug des Briten Ross Ahlgren stehen wie zwei Geschwister nebeneinander. Die Fahrzeuge wurden wieder einmal von Peter, Adam und Sam Bennett perfekt betreut. Für das leibliche Wohl inklusiv gekühlter Getränke sorgte Trucker Alex. Der übrigens sein Sofa nach Daun mitbrachte, was für viele interessierte Blicke in unsere Serviceecke sorgte.

Die Schleife am Samstagnachmittag nehmen Stig und ich dann mit Startnummer 11 im RS200 Gruppe S in Angriff. Dabei gab es spannende Begegungen mit anderen Teilnehmern auf den Showprüfungen. Beim ersten Gegner verabschiedet sich das Getriebe mit einer blauen Ölfahne, so dass dieser vor uns ausrollt. Auf der Prüfung »Vulkanhöhe« entdecken wir einen “Flügelmonster”-Quattro in einiger Entfernung vor uns. Es ist aber nur eine Frage von wenigen Sekunden, bis dass Stig diesem “im Kofferraum” steht. Der Kollege hat uns wohl noch nicht gesehen (oder will er gar einem Ex-Weltmeister beweisen, wie schnell er ist?), in sauschnellen Passagen bleibt Stig auf dem Gaspedal, der Kollege vor uns lupft, und gefühlt verringert sich schlagartig der Abstand auf 10 Zentimeter … oder so. Stig will an ihm vorbeiziehen, aber er lenkt mehrfach sein Fahrzeug in die Lücken. Das Spiel geht fast eine Runde so. Doch dann kommt die Chance: Vermutlich verschaltet sich der Möchtegern-Profi vor uns, Stig zieht an ihm vorbei und er wart nicht mehr gesehen. Ciao Amigo!

Und wieder kommt diese sauschnelle Passage vor Schikane mit anschließdendem kurzen Schotterstück. Stigs rechter Fuß tritt das Pedal bis aufs Bodenblech, wir fahren jenseits der 200 Stundenkilometer. Ich spüre, wie der Apparat anfängt, leicht nach außen zu wandern. Unsereins hätte das Lenkrad dann wohl nur noch ganz zärtlich mit sensiblen Fingern gelenkt. Stig schien es zu genießen und bremst einige Sekunden später das Auto zusammen, huscht durch die Strohballen-Schikane und wir verschwinden in der staubigen Schotterpassage. Whhowwwwww … das war geil!

Am Abend genießt unser Team noch ein gemeinsames Essen. Auch die schönsten Tage gehen einmal zuende. Ich freue mich, dass ich in dieser illustren Runde “adoptiert” wurde. Nach einem Besuch der Party auf der Rallyemeile gehts dann ins Hotel, Bei dem ein oder anderen Kaltgetränk werden die Erlebnisse in trauter Runde und viel Humor erzählt und Pläne für die nächsten Einsätze geschmiedet. Eine unvergessliche »Race-Week« geht zuende und neue Erinnerungen bleiben zurück. Am Montag erscheinen in unserer WhatsApp-Gruppe viele Kommentare aus dem Alltag mit wehmütigen Rückblicken auf das Eifel Rallye Festival 2026. Wir freuen uns aufs nächste Jahr!

Portugiesische Woche

Die portugiesische Rallyewelt zeigte sich beim „Rallyspirit“-Event von ihrer feinsten Seite. Zusammen mit den „Slowly Sideways“ und dessen Chef Reinhard Klein machte sich auch das Team rund um John Wheeler auf die Reise. Mit keinem geringeren als dem Rallye-Weltmeister von 1984, Stig Blomqvist, brachte der Konstrukteur dieses einmaligen Fahrzeugs, den legendären Gruppe-S-Prototypen des Ford RS200, an den Start. Und mir wird einmal mehr die Ehre zuteil, als Copilot Stig die Pacenotes vorbeten zu dürfen.

Da denkst Du, nach meinem Einsatz zusammen mit Stig Blomqvist beim letztjährigen Eifel Rallye Festival, mehr könne nicht kommen, prompt wird’s noch bunter. Auf der 3-tägigen Veranstaltung im Norden Portugals rund um die Stadt Barcelos verlaufen die Sonderprüfungen entlang der für Rallyefreunde aus der ganzen Welt wohlklingenden Namen wie Sintra oder Fafe. Für Stig und mich heißt das, Showfahrten über 136 abgesperrte Sonderprüfungskilometer und insgesamt über 443 Kilometer im Cockpit des Mittelmotor-Boliden zu sitzen. Vorbei an mit Steinmauern eingegrenzten Feldern und Wiesen sowie durch Eukalyptuswälder, deren unvergleichlicher Duft bis ins Auto hineindringt.

Nachdem freitags vor der Veranstaltung die Rallyeautos in spezielle Autotransporter verladen wurden, machten dieser sich auf die 2.100 Kilometer lange Reise nach Portugal. Der Sammelpunkt zum Verladen war das Materiallager des Eifel Rallye Festivals. Die Auflieger des Transporters waren komplett verschlossen. Mit den Boliden an Bord war das bei der Beladung schon ein faszinierender Anblick. Was Reinhard Klein, Chef der „Slowlys“, mit dem Begriff „Luxus-Laster“ kommentierte. Angesichts der Vielzahl von historischen Gruppe 4 und Gruppe B Rallyeautos bekommt der Begriff eine interessante Doppeldeutigkeit hinsichtlich seiner Besitzer.

Um so besser, dass meine Anreise mit dem Flugzeug nur zweieinhalb Stunden dauerte. Und ja, ich war ein „Lucky Man“ als ich in Porto vom Veranstalter am Gate persönlich in Empfang genommen wurde. Fast zeitgleich war nämlich auch Nicky Grist gelandet und er als VIP erfährt natürlich eine gewisse Sonderbehandlung. Und ich konnte davon profitieren und musste fortan nicht mehr drüber nachdenken, wie ich denn von Porto ins gut 50 Kilometer entfernte Rallyezentrum komme.

Dieses zufällige Zusammentreffen führte dann dazu, dass ich mit Nicky zusammen den Nachmittag im Café verbrachte. Und für mich bot dieses Zusammentreffen einen Einblick in eine neue Welt.  Er erzählt abseits von Kamera und Mikrofon ausführlich über seine Zeit mit Malcolm Wilson, Juha Kankkunen und Colin MacRae. Insgesamt bestritt der mittlerweile 64-jährige sympathische Waliser 128 Weltmeisterschaftsläufe mit 43 Podiumsplatzierungen und 21 Siegen. Auch beim gemeinsamen Abendessen und einer guten Flasche heimischen Rotweins ging es natürlich weiter um die unfassbare Karriere von Nicky und seinen Empfehlungen und Tipps rund um den Aufschrieb und die Technik des exakten Vorlesens. Man lernt nie aus …

Es folgten 2 Tage gemeinsames Recce mit Stig. Im Mietwagen gings über die Sonderprüfungen. Was mit einem Blick auf die Karte als schnelle Angelegenheit aussah, entpuppte sich als zeitraubende Vorbereitung. Unzählige Kurven durch fantastische Landschaften sorgten dafür, dass ich mir die sprichwörtlichen wunden Finger schrieb. Trotz zügiger Fahrweise von Stig konnte ich den englischsprachigen Schrieb flüssig notieren. Und woran erkennt man als Copilot den Profi? Auf den gesamten 136 Kilometern Prüfungen korrigierte Stig bei jeweils drei Durchgängen nur ein einziges Mal seine Ansage.

Der Start erfolgte in Porto direkt am Ufer des Douro, der Fluss, der angeblich auch die Grenzen zwischen Nord- und Südportugal bildet. Die Fans waren schon bei der Einfahrt in den Startpark zu hunderten vertreten. Und Stig wurde direkt von Menschentrauben umgeben und gebeten, die mitgebrachten Fotos, Bücher, Caps, T-Shirts und Modellautos zu unterschreiben. Dieses Schauspiel sollte sich an zahlreichen Stellen des Streckenverlaufs wiederholen. Mit viel Ruhe und Gelassenheit erfüllt Stig alle Wünsche, egal ob Autogramme, Interview oder gemeinsame Fotos. Da wurde mir klar: Stig Blomqvist ist und bleibt ein echter Rallyeweltstar und ich darf ihn hautnah begleiten.

Nach dem Start gings durch das Zuschauerspalier auf die Hauptstraße. Dort warteten die Fans rechts und links der Fahrbahn in 3er-Reihen und Stig erhielt „Standing Ovations“. So etwas hatte ich bis dahin noch nie erlebt. Über eine Strecke von ca. einem halben Kilometer klatschen und jubelten die Zuschauer dem Rallye-Weltmeister von 1984 zu. Über zwei Sonderprüfungen führte die Fahrt zurück ins Rallyezentrum nach Barcelos.

Wenn Du Stig so nah beobachten kannst, wie ich es konnte, fällt sofort auf, wie präzise der fast 80-jährige Schwede immer noch fährt. In den Kurven wird der Lenkradeinschlag nie korrigiert, es passt einfach. Das Übrige trägt natürlich sein Linksbremsen dazu bei. Er ist der Meister darin und Generationen von Rallyefahrern haben versucht, es ihm nachzumachen. Mit dem dosierten Einsatz des linken Fußes auf der Bremse stabilisiert er das Auto oder lässt es mit einem beherzten Tritt gezielt das Heck sanft ausbrechen, je nach Fahrsituation. Schade, dass ich nicht mehr Zeit hatte, diese Fußarbeit zu studieren – aber das Vorlesen des Gebetbuchs hatte natürlich Vorrang.

Am späten Samstagnachmittag liefen wir ohne jegliche technischen Probleme am Auto im Ziel ein. Dank der tollen Vorbereitung von John Wheeler lief der Ford RS200 wie ein Uhrwerk. Überflüssig zu erwähnen, dass auch hier die bereits zitierten Menschentrauben das Auto und Stig umstellten. Was folgte, war ein Dinner für die Teilnehmer unter freiem Himmel. Damit verbunden waren viele Gespräche mit interessanten Menschen und dem Veranstalter und Helfern rund um Pedro Ortigão. Eine rundherum gelungene Veranstaltung geht mit der offiziellen Zieldurchfahrt um 22:00 Uhr zu Ende. Der Jubel der Fans hallt nach …

Zum Schluss meiner Reportage noch eine abschließende persönliche Anmerkung: Mir ist klar, dass nicht viele Menschen die Gelegenheit haben, bei einer so großartigen Veranstaltung über mehrere Tage mit einem Rallye-Weltmeister zusammen ein solches Erlebnis genießen durfte. Ich bin nicht nur Stig dafür sehr dankbar, sondern auch John. Ich denke, ich kann an dieser Stelle schon von einem freundschaftlichen Verhältnis zwischen uns sprechen. Ich musste immer wieder daran denken, wie ich als 22-jähriger bei der 83er Rallye Monte-Carlo Stig das erste Mal bei einem Weltmeisterschaftslauf sehen durfte. Das Erste, was ich vom Quattro sah, war das Heck, das weit ausgeschwenkt den Kurvenscheitelpunkt umdriftete. Stig ist ein Macher, der die Kunst des Rennfahrens beherrscht. Für ihn zählt nicht die letzte halbe Umdrehung von irgendwelchen Fahrzeugeinstellungen, er ist ein Racer, er fährt sein Ding einfach raus!

Und ich erinnere mich noch allzu gut, dass nach den etwas unglücklichen Versuchen mit dem Ford Escort RS1700T dann die Entwicklung des RS200 startet und die Autos erstmalig in der Saison 1986 eingesetzt wurden. RallyeRacing sei Dank mit tollen Berichten und Fotos. Es fiel immer wieder der Name des Entwicklers John Wheeler. Der übrigens seinerzeit bei Ford Malcolm Wilson als Testfahrer einstellte. Auch er ist für mich eine Legende. Es ist immer wieder erstaunlich, wenn sich John in die Technik seines Autos stürzt. Er kennt nicht nur sprichwörtlich jede Schraube, sondern er kann vermutlich auch die Maße und Gewicht jeder Schraube nennen. Danke an Stig und John für dieses weitere Highlight in meinem Rallyeleben.

Text: Lothar Bökamp

Ein Gedanke zur Professionalität des Rallyesports in Deutschland

In letzter Zeit hörte ich bei meinen Gesprächen mit Rallyefahrern und Teams, wie toll es doch auf der Rundstrecke ist, wenn dort Catering für Sponsoren und Gäste zur Verfügung stehen und diese dort auch ihre Produkte präsentieren können. Für die Gäste ist es bequem, von dort aus auch direkt an die Rennstrecke zu gehen und ansonsten die Rennverlauf auf Bildschirmen in der Lounge verfolgen zu können. Verbunden mit den Kommentaren des Streckensprechers und Rundenzeiten direkt von der Zeitnahme.

Müssen die deutschen Rallyeveranstalter über neue Konzepte zu modernen Rallyes nachdenken? Auf jeden Fall. Wie wäre es mit attraktiven Serviceparks in Citynähe? Gepflastert, keine Schlammwüste bitte! So wie die Sachsen-Rallye mit ihrem Servicepark mitten in der Innenstadt in Zwickau? Dort wurde eine völlig neue Zuschauerklientel angesprochen, nämlich einfach ein Laufpublikum und auch Familien. Oder die Rallye Schweden in ihrer „Red Barn Arena“? Dort fahren die Boliden gleich 4 Mal an 4 Tagen des Rallye-Weltmeisterschaftslaufes durch die stadionähnliche Arena. Und mittendrin ein VIP-Zelt – bei Temperaturen von mehr als 20 Grad minus natürlich beheizt – in dem die Gäste bewirtet werden, mit Informationen versorgt werden und es nur 5 Schritte aus der Tür heraus bedarf, um direkt an der Piste Rallyeautos spektakulär über Kuppen springen zu sehen. Aufgebaut und betrieben durch den Veranstalter, können Sponsoren, WM-Teams und auch Zuschauen hier ihre VIP Tickets kaufen. Der Veranstalter liefert, Interessierte können sich in ein professionelles Umfeld einkaufen.

Mir ist schon klar, dass speziell das letzte Beispiel aus Schweden natürlich die „Elite-Version“ ist. Aber auch der Serviceplatz als zentrale Drehscheibe, ausgestattet mit Bewirtungsmöglichkeiten und Ausstellungsfläche für Sponsoren, sollte neue Möglichkeiten für moderen Rallyes bieten. Die Veranstalter der Hellendoorn-Rallye beispielsweise bekommen das ganz hervorragend hin. Am Samstagnachmittag nutzen hier Familien den Servicepark aus Ausflugsziel. Eine Show-WP in der Nähe – in Zwickau war es die „Glück-Auf-Brücke“ – Live-Übertragungen über großen Bildschirme mit fachkundigen Moderatoren, Stage-End-Interviews und Livezeiten? Leute, es ist alles möglich, die Technik ist vorhanden und kann mit wenig Aufwand eingesetzt werden. Zum Mehrwert für die Zuschauen, Sponsoren und Teams. Die Zeiten aus den 70er und 80er Jahren sind vorbei, Rallyes sind keine Zuverlässigkeitsfahren mehr, sondern Sprintrennen geworden. Wir alle, die wir unseren Rallyesport so lieben, sind gefragt, die Faszination zu den Menschen zu bringen. Mein Appell: Seid kreativ!

Text und Foto: Lothar Bökamp // ANTRIEB.MEDIA

Rallye-Restart ins neue Jahr

Ich hoffe, Ihr seid gut ins neue Jahr gekommen und dass alle Eure Wünsche in Erfüllung gehen sowie natürlich das wichtigste, Gesundheit!

Ich habe in der Zwischenzeit einiges an Housekeeping erledigt. Wie zum Beispiel meine Website „FOR RALLYE“ (www.r4llye.de). Viele von Euch kennen sie sicher, es gibt sie bereits im 6. Jahr. Bislang hat sie eher, man kann fast schon sagen, ein Schattendasein geführt. Als ich nun in die Analyse eingestiegen bin und mir die Zahlen angeschaut habe, war ich jedoch überrascht. Das Interesse für diese Seite ist wirklich groß und die Inhalte werden nachgefragt – egal ob Evergreens wie Termine im Meisterschaftskalender oder aktuelle Berichte zu Veranstaltungen oder exklusive Interviews. Und deshalb habe ich Website jetzt auf Vordermann gebracht und möchte sie als Ergänzung zum ANTRIEB Magazin nutzen, um hier für Euch aktuelle Themen behandeln.


Als ich an einem dunklen Winternachmittag durch die Timeline von Intagram scrollte, erreichte mich ein lustiges Bildchen von John Wheeler, der Konstrukteur des legendären Ford RS 200, der 1986 in der Rallyeweltmeisterschaft für Furore sorgte. Es ist ein von der KI erstelltes Foto von Stig Blomqvist und mir in einer weißen Winterlandschaft und er fragte mich in seiner E-Mail, ob wir beim Recce für die Monte seien. Haha … Die Grundlage war wohl ein Foto von Stig und mir beim Eifel Rallye Festival, dass dann das Motiv in die verschneite Berglandschaft verwandelt hat. Diesen netten Gag will ich Euch nicht vorenthalten:


Apropos Rallye Monte-Carlo: Als ich im Instagram-Feed auf Filmclips der Teams zu ihren Tests im realen Schnee stieß, dachte ich mir, Schade, dass Kalle Rovanperä nicht mehr mit dabei ist. Was wohl Jonne Halttunen jetzt macht? Ob ihm langweilig ist, weil er ansonsten ja ebenfalls in den französischen Seealpen unterwegs wäre? Gedacht, getan, ich habe einfach mal direkt per WhatsApp bei ihm nachgefragt. Und daraus entwickelte sich ein komplettes Interview, das ich exklusiv als Interview hier veröffentlicht habe. Ich war erstaunt, wie ausführlich er über seine Situation berichtet, ein bisschen Wehmut über seine Zeit mit Kalle in der WM klingt für mich hier und da auch durch und zum Schluss gibts noch einige „Quickys“, 8 ganz persönlichen Fragen und Antworten. Viel Spaß beim Lesen.


Bis bald, Eurer Lothar.

Ein Jahr im Rallye-Rückspiegel: Mein persönlicher Saisonrückblick

Ihr Freunde des Rallyesports, liebe Leser und Fans des ANTRIEB-Magazins,

ereignisreiche Zeiten – was für ein Jahr! Die letzte Ausgabe des ANTRIEB Magazins in 2025 ist ausgeliefert, also Zeit für einen persönlichen Rückblick auf das Jahr und ein dickes „Dankeschön“ an alles Leser des ANTRIEB und all diejenigen, die mit ihrer Anzeige den ANTRIEB in dieser Form erst ermöglichen.

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Die Wiedergeburt: Carrera GT im Salzburg-Design

Porsche berichtet in einer Pressemitteilung über die Restaurierung eines 20 Jahre alter Carrera GT des Puerto-Ricaners Victor Gómez. Technisch wieder in den Neuzustand versetzt durch die Porsche Sonderwunsch Manufaktur, von der ich bisher nicht wusste, dass es so etwas bei Porsche gibt. Dabei erhielt das Auto ein Salzburg-Design, das an die legendäre Lackierung des in Le Mans siegreichen 917 von 1970 erinnert. Auch der Innenraum wurde individualisiert und mit rotem Alcantara sowie mattem Carbon veredelt.

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Marijan Griebel: Zum ersten Mal konnte ich vier Laufsiege innerhalb der Deutschen Rallye Meisterschaft erringen

Die Marijan Griebel Kolumne im ANTRIEB #18

Liebe ANTRIEB Leser,

das (Rallye-)Jahr 2025 ist quasi abgeschlossen. Für mich war es ein überaus erfolgreiches Jahr. Zum ersten Mal konnte ich vier Laufsiege innerhalb der Deutschen Rallye Meisterschaft erringen und mir vorzeitig und einigermaßen souverän zum fünften Mal den Titel sichern. Hinter diesen „Errungenschaften“ steckt eine Menge Arbeit – nicht nur von mir, sondern auch ganz vielen anderen Personen.

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Rallye Automobile Monte-Carlo (18.–25. Januar 2026) – eine Gleichung mit vielen Unbekannten.

Wie das Organisationskomitee mitteilt, konnte trotz zahlreicher administrativer und regulatorischer Hürden der Automobile Club de Monaco den Rahmen der 94. Rallye Automobile Monte-Carlo festgelegt werden. „Das verlangt Präzision und Flexibilität“, heißt es in der Pressemitteilung. Als Auftakt der FIA Rallye-Weltmeisterschaft 2026 wird dieser Klassiker wieder die Weltelite des Rallyesports an die Côte d’Azur locken.

Die Besichtigungsfahrten (Recce) finden von Sonntag, 18. Januar bis Dienstag, 20. Januar statt. Am 21. Januar um 14:01 startest eine angepasste Shakedown-Prüfung. Die Strecke misst 4,25 Kilometer. Sie kam 2017 erstmals zum Einsatz und wurde für diese Ausgabe verlängert. Neu dabei ist die Straße von Rabou in Gap, Austragungsort von 2014 bis 2021 und erneut seit 2024.

Der offizielle Start der 94. Rallye Automobile Monte-Carlo erfolgt am Donnerstag, 22. Januar um 14:30 auf der Startrampe am Quai Albert 1er in Monaco. Die erste Etappe umfasst drei Wertungsprüfungen mit insgesamt 60,76 Kilometern. Sie liegen in den Départements Alpes-Maritimes und Alpes-de-Haute-Provence: Toudon/Saint-Antonin (WP 1 – 21,90 km – 16:05), Esclangon/Seyne-les-Alpes (WP 2 – 23,80 km – 18:35) und Vaumeilh/Claret (WP 3 – 15,06 km – 20:35). Diese Prüfungen können gleich zum Auftakt für Überraschungen sorgen.

Am zweiten Tag führt die Strecke in die Départements Drôme und Hautes-Alpes. Es stehen 128,88 Kilometer gegen die Uhr an. Die Etappe besteht aus drei Prüfungen, die zweimal gefahren werden: Laborel/Chauvac-Laux-Montaux (WP 4/7 – 17,95 km – 09:04/15:16), Saint-Nazaire-le-Désert/La Motte-Chalancon (WP 5/8 – 28,70 km – 10:32/16:44) und La Bâtie-des-Fonts/Aspremont (WP 6/9 – 17,79 km – 11:50/18:05). Diese Etappe ist die längste und technisch anspruchsvollste des gesamten Rallyes.

Der Samstag ist kürzer, aber nicht weniger fordernd. Die Etappe führt überwiegend durch Alpes-de-Haute-Provence und umfasst 77,61 Kilometer auf Zeit. Neu im Programm ist La Bréole/Bellaffaire über den Garcinets-Pass (WP 10/12 – 29,93 km – 08:31/12:31). Dazu kommt eine Wiederholung der Prüfung Vaumeilh/Claret aus dem Donnerstagabend, diesmal am Tag (WP 11 – 15,06 km – 09:55). Anders als 2025 kehrst du dieses Jahr bereits am Samstagnachmittag nach Monaco zurück. Der Tag endet mit einer Superspecial, der ersten seit 2008, auf dem unteren Abschnitt des berühmten Stadtkurses von Monaco (SSS 13 – 2,69 km – 18:35).

Das Finale der Rallye führt dich über zwei legendäre Bergprüfungen, jeweils zweimal zu fahren. Insgesamt warten 71,90 Kilometer. Zu fahren sind Col de Braus/La Cabanette (WP 14/16 – 12,50 km – 08:05/11:09) und La Bollène-Vésubie/Moulinet (WP 15/17 – 23,45 km – 09:35/13:15). Die zweite Fahrt der letzteren zählt als Wolf Power Stage, in der du wichtige WM-Punkte zu holen sind.

Foto: Lothar Bökamp // ANTRIEB.MEDIA


Ja, ich will dabei sein …

Immer auf der Jagd nach starken Fotomotiven und außergewöhnlichen Menschen – auf den Rallyepisten mit meiner Kamera und dem Notizblock – so entstehen gute Geschichten und packende Fotos. Viele der Protagonisten kenne ich durch meine Tätigkeit als Rallye-Copilot persönlich, egal ob es die Helden meiner Jugend oder junge Nachwuchstalente sind. Das erleichtert mir den Zugang zu interessanten Persönlichkeiten und Geschichten für meine Reportagen. In diesem Blog berichte ich über Begebenheiten »hinter den Kulissen« oder auch über längst Vergangenes, kurz und knapp. Seid mit dabei!

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